Linard Bardill – das unterdrückte Interview

Aktualisiert: 21. Feb.

kath.ch, das katholische Medienzentrum, hat ein Interview mit dem Bündner Liedermacher und Autor Linard Bardill geführt. Doch das Interview wurde in der Folge nicht abgedruckt, ohne jede Begründung. Das Aktionsbündnis freut sich, hier das unterdrückte Interview veröffentlichen zu können.

Linard Bardill auf der Kundgebung des Aktionsbündnis Urkantone in Zürich Oerlikon, 19.02.2022. Foto: Andrea Zgraggen


Interview mit Linard Bardill, 17.02.2022


Warum sollen alle Massnahmen auf einen Schlag und endgültig aufgehoben werden?

Weil es überfällig ist.


Warum reicht eine schrittweise Rückkehr nicht?

Ein Staat der Freiheiten gewährt, birgt in hohem Masse die Gefahr, totalitär zu sein oder totalitär zu werden. Dieses Gewähren wurde zu lange praktiziert.


Wie weit deckt sich Ihre Meinung mit jener der Trychler, die ebenfalls dabei sind?

Ob die Gegner der Coronamassnahmen Recht haben oder nicht, ist nicht die erste Frage. Die erste Frage ist, ob sie das Recht haben, ihre Meinung kund zu tun.

Demokratie ist kein Zustand, sondern eine Übereinkunft in Form einer Verfassung, und sie ist im besten Sinne eine gegenseitige Verheissung, und ein Zuspruch. Darum ist es wichtig, dass wir uns, die Politiker und die Behörden immer wieder an diese Verfassung, an diesen Zuspruch erinnern. Wir alle sind das Volk, der Garant für diese Übereinkunft.

Beamte, wie der oberste Gesundheitschef des Kantons Zürich, die eine gemütliche Diktatur einführen wollen, um die Leute zum Impfen zu bringen, sind für die Demokratie brandgefährlich. Treicheln-schwingende besorgte Demokraten halte ich hingegen nicht für gefährlich. Ich habe von ihnen nie einen Aufruf zur Gewalt oder Ähnliches gehört. Vielleicht können sie mich eines anderen belehren?

Gewalt und Demagogie halte ich für gefährlich. Ich halte linke und rechte Extremisten, welche die friedlichen Demonstrationen für Selbstdarstellungen missbrauchen für gefährlich, nicht die friedlichen Demonstranten.


Bei immer noch sehr hohen Fallzahlen stellt sich die Frage nach einem bestimmten Prozentsatz an Long-Covid-Fällen. Kümmert Sie das nicht?

Ich hatte selbst Long-Covid. Allerdings bin ich jetzt nach bald zwei Jahren wieder auf dem Damm. Das wünsche ich allen meinen Leidensgenossen.

Dennoch halte ich es für den falschen Ansatz, ein ganzes Land, Kontinente wie Australien lahm zu legen, um Risikogruppen zu schützen. Erstens funktioniert das nur schlecht und zweitens sind die Kollateralschäden massiv grösser als die Schäden durch Long-Covid. Ich denke da z. B. an die Jugendlichen, die grosse psychische Probleme haben, an die Alten, die sterben - noch immer - ohne ihre Liebsten bei sich haben zu können.

Weltweit gesehen ist der Hunger und die extreme Armut wegen der Massnahmen gewachsen wie die letzten 30 Jahre nicht mehr. Die Unicef rechnet mit 700 Millionen in die extreme Armut gestossenen Menschen im globalen Süden. Alles wegen der zerrissenen Nahrungs- und Medikamentenversorgung. Alles wegen der Massnahmen für die Menschen im Norden. Das finde ich grauenvoll!


Was ist denn ihre Analyse der letzten 2 Jahre?

Es sind viele Fehler gemacht worden in diesen 2 Jahren. Spaltung und Zwang, Fehlinformationen, Verunglimpfung. Ein grosser Fehler ist die totale Vernachlässigung des Long-Covid Phänomens. Statt Abteilungen, Kliniken und Spitäler zu schliessen, um zu sparen, hätte der Bund und die Kantone Forschungszentren einrichten können, in denen Long-Covid untersucht und Gegenstrategien entwickelt werden.

Nichts ist passiert. Man kennt das Phänomen immer noch viel zu wenig. Es gibt aber sehr wohl schulmedizinische und komplementärmedizinische Antworten auf Long-Covid.

Für die Shareholder der Swiss hatte der Staat Geld, für Begleitung der in die Isolation geschickten, für die Leute im Gesundheitswesen und die Spitäler fehlte es. Stattdessen schottet sich nun die IV ab, wie übrigens beim Schleudertrauma auch, und anerkennt das Phänomen nicht an als Grund für eine Rente. Die Gesundheitspolitik hat einen miserablen Job gemacht. Und es sieht im Moment nicht besser aus.


Sie sind Theologe. Inwiefern prägt das Ihre Haltung bei diesem Thema (falls)?

Ja, es geht um den Umgang mit dem Sterben. Wir tun so, als ob es eine Option wäre, ewig zu leben. Die Kirchen haben da versagt. Man war staatstreu wie die allermeisten Medien und Institutionen. Es gab Leute, die nicht an die Abschiedsfeier ihrer Liebsten gehen durften, weil sie kein Zertifikat hatten. Es gab keinen Diskurs und es gab keine kritische Auseinandersetzung mit dem Versammlungsverbot. Da hätte die Kirche intervenieren müssen. Die Gemeinschaft der Heiligen ist heilig. Die Kirche kann in der Not Notwendiges tun. Stattdessen hat sie geschwiegen. Weil sie am Tropf des Staates hängt? Ich träume von einer Kirche, die sich einbringt und nicht einfach abnickt.


Haben sie noch eine gute Nachricht?

Ja, Versöhnung ist möglich. Aber keine voreilige Versöhnung. Die Kirche wäre ein guter Ort. Zuerst muss aufgearbeitet werden. «Gewissenserforschung, Reue, guter Vorsatz, Bekenntnis und Wiedergutmachung». Die Kirche hätte aus der Beichtpraxis ein hervorragendes Tool dafür. Ich hoffe auf den Priester, der das für seine Gemeinde, den Bischof, der das für unser Land, den Papst, der das für unsere Welt tut.